02. Juli 2011 - 6.05 Uhr

MOSAIK - Kulturmagazin auf WDR3

David Eisermann im Samstagsgespräch mit dem Schriftsteller Norbert Hummelt

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Heute früh ein Gedicht von Wilhelm Busch. Er beschreibt einen Esel, von dem wir noch etwas lernen können. Der Esel verhält sich klug und läßt sich nicht provozieren:
 
                     Es stand vor eines Hauses Tor
                     Ein Esel mit gespitztem Ohr,
                     Der käute sich sein Bündel Heu
                     Gedankenvoll und still entzwei. –
                     Nun kommen da und bleiben stehn
                     Der naseweisen Buben zween,
                     die auch sogleich, indem sie lachen,
 
                     Verhaßte Redensarten machen,
                     Womit man denn bezwecken wollte,
                     Daß sich der Esel ärgern sollte. –
                     Doch dieser hocherfahrne Greis
                     Beschrieb nur einen halben Kreis,
                     Verhielt sich stumm und zeigte itzt
                     Die Seite wo der Wedel sitzt.

Hemingways 50. Todestag - eines der Themen bis acht Uhr hier auf WDR3. Ernest Hemingway hat sich tatsächlich einmal in Nordrhein-Westfalen aufgehalten. Das Bundesland hat es im Winter 1944/45 natürlich noch nicht gegeben. Die Eifel aber schon. Dort lagen sich amerikanische und deutsche Truppen monatelang gegenüber. Ernest Hemingway hatte damals vor, von den Kämpfen zu berichten. Doch er hat so gut wie nichts dazu veröffentlicht. In den siebzehn Jahren, die Hemingway anschließend noch gelebt hat, hat er viel geschrieben, aber wenig davon publiziert. Ein Nobelpreisträger mit Ladehemmung. Vielleicht auch, weil er in dem Kriegswinter in der Eifel soviel Schreckliches erlebt hatte. Sein Todestag jährt sich heute zum 50. Mal. Für das WDR3 MOSAIK hat sich Roswitha Haring mit Hemingway befaßt. Die Schriftstellerin stammt aus Leipzig und ist mit dem aspekte-Literaturpreis für das beste literarische Debüt ausgezeichnet worden.

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   Blick aus dem WDR3-Sendestudio: Licht und Schatten. (Bild: Ab.)

*

Nach 8 Uhr hier auf WDR3 gleich ein Gespräch mit dem Dichter Norbert Hummelt. Gerade war er Gastdozent an der Universität Duisburg-Essen - „Poet in Residence“. Ein Gast, der Einblick in seine Arbeit gewährt und Studenten in seine Schreibwerkstatt einlädt. Wie läßt es sich heute mit Gedichten leben? Für Hummelt sind Gedichte in unserer Zeit unverzichtbar. Als feine Gewebe aus Klang und Sinn lassen sie sich immer wieder neu erleben und verstehen – ganz gleich wo, ganz gleich wann. Man muß sie nur im Gedächtnis bewahren. Ein Gespräch mit dem Lyriker Norbert Hummelt. Unser Thema bis 9 Uhr auf WDR3.

Norbert Hummelt (Jahrgang 1962) stammt aus Neuss am Niederrhein. Nach dem Abitur studierte er bis 1990 Germanistik und Anglistik an der Universität zu Köln. Hummelt schreibt in erster Linie Lyrik und Essays, die in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht worden sind. Darüber hinaus übersetzt er Lyrik aus dem Englischen und Dänischen. Hummelt schrieb zunächst (wie beispielsweise auch Marcel Beyer, mit dem er lange zusammengearbeitet hat) experimentelle Gedichte in der Nachfolge von Rolf Dieter Brinkmann und Thomas Kling. 1997 wandte er sich mit seinem zweiten Gedichtband „singtrieb“ stärker der literarischen Tradition, vor allem der Epoche der Romantik zu. Von 1988 bis 1992 war er Leiter der Kölner Autorenwerkstatt. Er hat u.a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig unterrichtet und ist Redakteur der Zeitschrift "Text + Kritik". Norbert Hummelt lebt seit 2006 in Berlin.

Auszeichnungen: u.a. Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln 1996; Fellow der Raketenstation Hombroich; Niederrheinischer Literaturpreis 2007.

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