04. Juli 2011 - 6.05 Uhr

MOSAIK - Kulturmagazin auf WDR3

Mit David Eisermann! Guten Morgen und willkommen zu einer neuen Woche mit dem MOSAIK

WDR3 hören - als Livestream.

Jeden Werktag live und schneller als die Zeitung: MOSAIK - das aktuelle Kulturmagazin.

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   Im Gespräch mit Adam Thirwell (links) und Daniel Kehlmann (rechts) am 27. Juni 2011 in Berlin (Bild: Ab.)

Mit David Eisermann. Informationen und Meinungen über aktuelle Kulturereignisse. Orientierung und Anregung - kompetent und verständlich. Insider geben Hinweise auf die wichtigsten Veranstaltungen und berichten über die Kulturszene - Schauspiel, Oper, Buch, Ausstellung, Musik und Kino.
 
An dieser Stelle hören Sie im MOSAIK Lyrik am Morgen. Heute früh von F. W. Bernstein. Ich könnte es mir jetzt einfach machen und sagen: F. W. Bernstein ist der beste Robert Gernhardt, der noch lebt. Aber dann wissen Sie ja noch nichts von meiner Verehrung für Robert Gernhardt und die Gruppe aus Lyrikern, Grafikern, Karikaturisten und Satirikern, die „Neue Frankfurter Schule“ genannt wird. Robert Gernhardt lebt nicht mehr, F. W. Bernstein dagegen zum Glück schon. Die Bezeichnung „Neue Frankfurter Schule“ wird heute längst nicht mehr scherzhaft, sondern ganz ernst gemeint verwendet. Der Maler und Zeichner, Dichter und Satiriker F. W. Bernstein hat im Kollegium der Neuen Frankfurter Schule in vieler Hinsicht eine Sonderstellung: er war nicht nur der einzige, der lange als Professor an der Hochschule der Künste gelehrt hat, er ist auch der einzige, der bis heute sein Pseudonym beibehalten hat. Bürgerlich heißt er nämlich Fritz Weigle. Volker Risch liest von ihm jetzt das Gedicht „Tiere Zeichnen“.
 
Freitagabend hat der Generalintendant seinem Oberbürgermeister einen kurzen Brief zukommen lassen: „Sehr geehrter Herr Nimptsch, die beabsichtigte Reduktion des Zuschusses an das Theater in Höhe von 3,5 Millionen Euro ab der Spielzeit 2013/14 erachte ich für desaströs. Ich werde sie nicht mittragen und stehe für eine Verlängerung meines Vertrages über die Saison 2012/13 nicht zur Verfügung.“ Was hat das alles zu bedeuten: Kürzungen in Millionenhöhe und ein Intendant, der nicht mehr mitmacht. Seit acht Jahren ist Klaus Weise in Bonn Chef von Oper und Schauspiel.
 
Werden am Ende nicht Kündigungen stehen und Spielstätten geschlossen werden? Der Generaiintendant ist verstimmt, weil er selbst Einsparungen in Höhe von 1,9 Millionen angeboten hatte; Nimptsch will weitere 1,6 Millionen. Bonn ist nach dem Gesetz Bundesstadt; in Bonn sieht man sich auch als Beethovenstadt; was bedeutet da diese Entscheidung für die kulturelle Zukunft?
 
Seit kurzem gibt es in Bonn die wie ich finde verrückte Idee, 2020, zu Beethovens zweihundertstem Geburtstag, Europäische Kulturhauptstadt werden zu wollen; wie paßt dazu die Sparpolitik? Erst vor sechs Wochen haben wir hier in den WDR3 Kulturnachrichten gemeldet, daß Klaus Weise ein Jahresgehalt in Höhe von 320.000 Euro bezieht (die Zahl wurde jahrelang geheimgehalten; sie geht wohl noch auf das Konto des alten Dezernenten von Uslar); will die Stadt Bonn Klaus Weise vielleicht auch loswerden?
 
Vor 15 Jahren hat es drei Mal so viele Leute im Bonner Ensemble gegeben, die Theaterbiennale ist weg, die Tanzsparte ist weg; wieso will die Stadt jetzt partout so kleine Brötchen backen? Oberbürgermeister Nimptsch hatte sich auch schon mit dem Vorschlag gemeldet, in Zukunft auf eigenes Musiktheater ganz zu verzichten? Über Sponsoring soll Nimptsch nie mit Weise gesprochen haben, und die Vorgängerin von Nimptsch habe Weise ein Sponsoring der Oper durch die Telekom sogar ausdrücklich verboten; von Weise ist zu hören, er habe keine Ahnung, wer jetzt was wolle, allerdings spekuliere der Bonner Kulturdezernent auf einen neuen Kandidaten. Das Gebäude aus dem Jahr 1965, das heute als Oper genutzt wird, soll so dringend instandgesetzt werden müssen, daß von Riesenkosten oder Abriß geredet wird; andernorts halten Theaterbauten hunderte von Jahren; wird das Problem übertrieben, oder verliert man in Bonn den Sinn für die Proportionen?                    
 
Anschließend geht es hier um die aktuell wichtigsten Off-Theater-Produktionen. Beim Impulse-Festival läßt das NRW-Kultursekretariat Zuschauer mit Bussen zwischen Köln, Düsseldorf, Mülheim und Bochum hin und her fahren, von einer Spielstätte zur anderen. Performance, soweit das Auge reicht. Unser Kritiker hat sich ins Getümmel gestürzt.

Am Ende dann ein Blick nach Duisburg. Das Museum Küppersmühle widmet dem Fotografen Hans-Christian Schink eine umfangreiche Werkschau. Besucher erwarten verstörende Einsichten in leere Büroräumen oder U-Bahnstationen in Nordkorea – zum Glück nicht ganz ohne Ironie.
 

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