01. August 2011 - 6.05 Uhr

MOSAIK - Kulturmagazin auf WDR3

Mit David Eisermann! Guten Morgen und willkommen zu einer neuen Woche mit dem MOSAIK

WDR3 hören - als Livestream.

Jeden Werktag live und schneller als die Zeitung: MOSAIK - das aktuelle Kulturmagazin.

Mit David Eisermann. Informationen und Meinungen über aktuelle Kulturereignisse. Orientierung und Anregung - kompetent und verständlich. Insider geben Hinweise auf die wichtigsten Veranstaltungen und berichten über die Kulturszene - Schauspiel, Oper, Buch, Ausstellung, Musik und Kino.
 
Heute jährt sich der Todestag von Konrad Duden zum 100. Mal. Aber keine Angst! Jetzt hören Sie auf WDR3 kein Gedicht von Konrad Duden. Sondern von Friedrich Rückert. Friedrich Rückert war ganz anders als Duden - in jeder Hinsicht sein Gegenteil. Einer, der sich für andere Kulturen interessiert hat. Von Rückert stammen Übersetzungen aus mehr als 40 Sprachen. Er war Dichter und Professor für orientalische Sprachen. Heute würden wir sagen: ein Experte für den islamischen Kulturraum. Zu Rückerts Zeiten begann das Nationalgefühl in Deutschland besonders hohe Wellen zu schlagen. Warum, das zu erklären würde jetzt zu weit führen. Es reicht sich vor Augen zu halten, wohin das im 20. Jahrhundert geführt hat. Jedenfalls schwamm Friedrich Rückert gegen den Strom und hat sich über die Deutschtümelei ganz gepflegt lustig gemacht:
 
                     „Grammatische Deutschheit“ (1819)

Neulich deutschten auf deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend,
Sich überdeutschend am Deutsch, welcher der deutscheste sei.
Vier deutschnamig benannt: Deutsch, Deutscherig, Deutscherling, Deutschdich:
Selbst so hatten zu deutsch sie sich die Namen gedeutscht.
 
Jetzt wettdeutschten sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit,
Deutscheren Komparativ, deutschesten Superlativ.
"Ich bin deutscher als deutsch." "Ich deutscherer." "Deutschester bin ich."
"Ich bin der Deutschereste oder der Deutschestere."

Drauf durch Komparativ und Superlativ fortdeutschend,
Deutschten sie auf bis zum - Deutschesteresteresten,
Bis sie vor komparativistisch- und superlativistischer Deutschung
Den Positiv von deutsch hatten vergessen zuletzt.
 
Er ist ein Schulmann. Das hat man früher von einem Lehrer gesagt – in der Regel einem, der an einer weiterführenden Schule unterrichtete. Nicht wenige solcher Gymnasialprofessoren haben auch publiziert: Aufsätze, Lehrwerke und Ausgaben für den Schulgebrauch etwa. Doch keinem Lehrer ist wohl je so ein Coup gelungen wie Konrad Duden. Sein Wörterbuch der deutschen Sprache wurde zum Maßstab der Rechtschreibung. Heute auf den Tag vor hundert Jahren ist der Schulmann gestorben. Der Name Duden ist jetzt eine Marke des Verlags Bibliographisches Institut Mannheim. Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Burkhard Müller-Ullrich hat sich dazu Gedanken gemacht.
 
Gut vier Wochen bestimmt jetzt die Musik Richard Wagners alles, was in Bayreuth geboten wird. Die Festspiele in seinem Namen finden dieses Jahr zum 100. Mal statt. Unter der Leitung von Eva Wagner Pasquier und Katharina Wagner. Wir wollen uns über die erste Woche unterhalten: Inszenierungen, Sänger und Dirigenten – heute früh unser Thema auf WDR3.

Dann sprechen wir hier über einen Mann, der vor eintausendfünfhundert Jahren gelebt hat. Und heute noch von sich reden macht: Chlodwig. Jugendlicher Gewalttäter, Zeitgenosse der Sagengestalt „König Artus“ und bedeutender König der Franken. Mit seinem Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche hat er Geschichte gemacht. Jetzt hat ein Bonner Wissenschaftler Chlodwigs Biographie geschrieben.

Und schließlich geht es heute um das neue Buch von Hervé Le Tellier. Ein Schriftsteller, der in seiner französischen Heimat seit langem bekannt und angesehen ist. Doch erst jetzt erscheint zum ersten Mal ein Roman von ihm auf deutsch: Kein Wort mehr über die Liebe.
 
Was jetzt folgt, hat mit dem Radio nichts zu tun und erscheint nur hier. Als persönliche Dreingabe. In dieser Woche gelten meine Gedanken meinem Vater. Obwohl er seit nahezu einem halben Jahrhundert in Bonn zu Hause ist, hat ihn die Erinnerung an seine Heimatstadt Berlin nie losgelassen.

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   St. Johannes Evangelist in Berlin-Mitte (Bild: Ab.)

Die Kirche St. Johannes Evangelist eingeschlossen zwischen Wohnhäusern der Auguststraße. Die Familie hatte es dorthin nicht weit. Der Umsturz im November 1918 machte die Straßen im Zentrum unsicher. Vielleicht ist die Taufgesellschaft anschließend auf kürzestem Weg zurück ins Postfuhramt, wo Soldaten für einen gewissen Schutz sorgten. Möglicherweise haben die Eltern meines Vaters dort eine Kantine bewirtschaftet. Großvater Erich Eisermann war erst kurz zuvor vom Militärdienst ins Zivilleben zurückgekehrt.
 

 

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