15. Juli 2011 - 8.10 Uhr

Martin Walsers neuer Roman Muttersohn

Ernst, aber gut - Gespräch mit David Eisermann im WDR3 MOSAIK am 15. Juli 2011

Martin Walser, Muttersohn, Roman, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011; 512 S., Euro 24,95, ISBN 978-3-498-07378-7

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Der 'Muttersohn', nach dem Martin Walser seinen neuen Roman benannt hat, heißt eigentlich Anton Percy Schlugen. Die Mutter ist Schneiderin – und alleinstehend. Ihrem Sohn erzählt sie, zu seiner Zeugung sei kein Mann nötig gewesen. Das erinnert nicht von ungefähr an das Neue Testament: Maria hat ihren lieben Sohn Jesus schließlich auch von keinem irdischen Mann empfangen. Percy glaubt seiner Mutter, und er ergreift einen Heilberuf. Als Krankenpfleger findet er Anerkennung und bringt es im psychiatrischen Landeskrankenhaus zu einiger Bekanntheit. Percy soll Zugang zu einem Patienten finden, der sich jeder Therapie widersetzt. Dabei macht er eine Entdeckung: es ist derselbe Mann, dem seine Mutter einst jahrelang geschrieben hat, Briefe, die sie nie abgeschickt, aber Percy als Kind vorgelesen hat. Ewald, den Percys Mutter so bewundert hat. Percy, Muttersohn ohne Vater, setzt auf die Kraft des christlichen Glaubens - wirksamer als alle Psychopharmaka. In seinem neuen Roman sucht Martin Walser nach Vätern und nach dem wahren Glauben. Walser ist jetzt 84. Im Grunde kann er schreiben, was er mag. Und das tut er ja auch. Muttersohn handelt von der anderen Welt des Glaubens und der Musik – und zeigt dabei durchaus Stärken.

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   So fängt's an (Bild: Ab./Rowohlt-Verlag)

 
Ein neues Buch von Martin Walser – wieder mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur (von denen bereits eine ganze Reihe seine Romane bevölkern). Wie ist Martin Walser in Form? Gar nicht mal schlecht, man muß sich nur auf ihn einlassen und sich Walser nicht anders wünschen, als er nun mal ist.

Die Welt des Glaubens und die der Musik – bisher ja nicht Martin Walsers Domäne? Zur Musik kommt jeder einmal, und was den Glauben angeht: Martin Walser ist schon vieles gewesen; jetzt ist er 84. Percy Schlugen spielt Orgel, gerne Choräle (Titel wie "Maria durch ein Dornwald ging"); Musik von Händel als mood management („die schönste Betäubung der Welt“). Es geht um eine (ziemlich heillose) Aufführung von „Judas Maccabaeus“ im Konzerthaus Ravensburg; unter Liebenden fallen Sätze wie: „Wenn du einen liebst, braucht man mehr Atem als beim Agnus dei in der h-Moll-Messe“; Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ kommt am Rande vor; Percys Freundin Elsa Frommknecht, selbst Musikerin, setzt sich leidenschaftlich für Musik ein; zum Schluß wird eine Komposition von Richard Strauss gesungen: seine Vertonung von Friedrich Schillers „Der Abend“.

Fazit: ernst, aber gut.

 

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