12. November 2012 - 6.05 Uhr

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   Informationen und Meinungen über aktuelle Kulturereignisse (Bild: Ab.)

Mit David Eisermann. Informationen und Meinungen über aktuelle Kulturereignisse. Orientierung und Anregung - kompetent und verständlich. Insider geben Hinweise auf die wichtigsten Veranstaltungen und berichten über die Kulturszene - Schauspiel, Oper, Buch, Ausstellung, Musik und Kino.

Es sind die letzten Jahres des Zarenreichs, eine Welt, die untergeht in Oktoberrevolution und Bürgerkrieg. In dieser Zeit wächst in Moskau ein junger Mann heran, Sohn wohlhabender Kaufleute und Pelzhändler: Mark Levy. Als Schriftsteller nennt er sich M. Agejew. Roman mit Kokain heißt der einzige Roman, den er hinterlassen hat, veröffentlcht Mitte der 30er Jahre im französischen Exil. Schonungslos modern, ein literarischer Coup, man hat ihn mit Nabokov verglichen.

Was für eine Geschichte erzählt Levy? Er war genau so alt wie seine Hauptfigur, der jugendliche Ich-Erzähler; schrieb er autobiographisch oder ging es ihm um eine Gesellschaft, die unmittelbar vor dem Zerfall stand? Welche Rolle spielt die Droge im Buch? Der Titel Roman mit Kokain ist im Russischen zweideutig, da „Roman“ dort auch „Liebschaft“ oder „Affäre“ bedeutet. Kokain war vor hundert Jahren Modethema: Arthur Conan Doyle läßt Sherlock Holmes regelmäßig zur Spritze greifen; es gab den Skandalroman Roman Kokain von Pitigrilli; wie paßt Agejews Roman dazu? In diesen Tagen jährt sich die Machtergreifung durch Lenin und seine Kommunisten genau zum 95. Mal, die sogenannte Oktoberrevolution; der Roman spielt genau in dieser Umbruchzeit vom monarchistischen Zarenreich zum Sowjetstaat. Mit Gisa Funck spreche ich über eine Entdeckung: zum ersten Mal aus dem russischen Original übersetzt ist der Roman mit Kokain jetzt auf deutsch erschienen - weltweit die erste Übersetzung, die den Schluß in der Fassung beinhaltet, wie ihn der Autor tatsächlich formuliert hat. Sein Todestag hat sich dieses Jahr zum 35. Mal gejährt.

Vor kurzem habe ich mir „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist im Theater Bonn angesehen. Der Text ist zwar eigentlich eine Novelle und gar nicht für die Bühne geschrieben, richtige Theatermacher lassen sich davon aber nicht abhalten. Eines ist mir dabei klar geworden: nach Heinrich von Kleist und seiner Sprache besteht am Theater weiterhin dringender Bedarf. Das Jahr 2011 war ein Kleist-Jahr, als sich der dramatische Freitod des Autors zum 200. Mal gejährt hat. 2011 hat auch gezeigt: Kleist bleibt ein deutscher Lieblingsautor. "Die Familie Schroffenstein" heißt das allererste Stück, das er geschrieben hat; es gilt nicht als seine beste Arbeit. In Bielefeld ist es jetzt zu sehen; dafür wurde eine junge Frau von 26 Jahren angeheuert: die Regisseurin und Dramatikerin Ivna Zic (Jahrgang1986). im WDR3 MOSAIK sprechen wir über die Premiere: was macht eine Künstlerin aus Kroatien denn anders als man es vom deutschen Stadttheater kennt?

Der Traum der roten Kammer – so heißt ein Roman aus dem alten China. Bei uns ist es wohl das berühmteste Werk der klassischen chinesischen Literatur. In China sowieso ein Klassiker, für Kino und Fernsehen immer wieder neu inszeniert. In Dortmund hat sich der Choreograph Xin Peng Wang von dem Stoff jetzt zu einem Ballett anregen lassen. „Wenn Falsches wahr ist, wird auch Wahres falsch“, heißt es im Buch. Xin Peng Wang will mit seiner Ballett-Version eine Brücke schlagen zwischen der Kaiserzeit und der Gegenwart Chinas heute. Die Musik dazu hat der Engländer Michael Nyman komponiert. Gleichzeitig geht es dem Choreographen denn auch um den Bezug zwischen West und Ost. Sowie um die in China wie im Westen gleich bedeutsame Frage: was ist der Mensch und was seine Bestimmung? Bericht von der Premiere mit dem Dortmunder Ballett.

Wer in New York lebt, muß deshalb hierzulande nicht bekannt sein. So mag es Charline von Heyl ergehen. Der Bonner Kunstverein will das jetzt ändern und stellt uns die Künstlerin vor. In New York haben es aktuell viele Galeristen und Künstler schwer. Durch den Hurrikan Sandy sind im Stadtteil Chelsea Galerien, Ateliers und Lagerräume überflutet worden. Dort sind viele Künstler und Galeristen zu Hause. Wegen des Sturms ist Charline von Heyl später in Bonn angekommen. Gemälde hat sie keine verloren, aber Papierarbeiten. Für die Künstlerin ist die Ausstellung in Bonn ein Wiedersehen: hier ist sie geboren und aufgewachsen, bei Jörg Immendorff und bei Fritz Schwegler in Düsseldorf hat sie studiert. Der Bonner Kunstverein zeigt seit gestern über 20 große Gemälde von ihr, im Kabinett eine 12-teilige Serie von Papierarbeiten und ein Künstlerbuch.

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